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Tartan & Schottenkaro: Geschichte, Clans und Bedeutung

Tartan-Stoffballen in einer schottischen Weberei

Eines der ersten Dinge, die man – neben dem Dudelsack und Whisky – mit Schottland in Verbindung bringt, ist der Tartan, das Schottenkaro. Er gilt als Symbol schottischer Identität. Traditionell wird er aus Wolle hergestellt, die zu einem komplexen Karomuster gewebt wird, und findet in Kleidung und Textilien Verwendung. Ursprünglich wurde der Tartanstoff mit natürlichen Farbstoffen aus einheimischen Pflanzen gefärbt und war meist nur in wenigen Farben erhältlich. Heute, mit der Entwicklung chemischer Farbstoffe, gibt es eine große Vielfalt an Farben und Mustern.

Die Ursprünge des Tartan

Ein Stück Stoff, das in einem Tongefäß in der Nähe von Falkirk gefunden wurde, ist einer der frühesten Nachweise für karierten Stoff in Schottland. Das heute als Falkirk-Tartan bezeichnete Stoffstück stammt aus dem Jahr 250 n. Chr. und wird heute im National Museum of Scotland in Edinburgh aufbewahrt.

Es ist jedoch unklar, wann der Tartan, wie wir ihn heute kennen, seinen Ursprung hat. Man geht davon aus, dass der Stoff erst im 16. Jahrhundert weiter verbreitet war, als er von den Bewohnern der Highlands getragen wurde, um unterschiedliche schottische Clans zu kennzeichnen.

Aus dem 16. Jahrhundert stammt das berühmte Stoffstück des Glen-Affric-Tartans. Es wurde während Forstarbeiten in einem Torfmoor im schottischen Glen Affric – westlich von Inverness – gefunden und gilt als das älteste erhaltene Stück eines schottischen Tartans. Sein Muster lebt bis heute weiter, etwa in unserer Lammwolldecke im Glen-Affric-Tartan.

Der früheste Uniformtartan ist der „Royal Company of Archers“-Tartan, der um 1713 entworfen wurde. Es existieren noch drei erhaltene Teile dieser Uniform, eine Jacke ist in Glamis Castle, 14 Meilen nördlich von Dundee, zu bewundern. Dieser Uniformtartan wurde 1789 vom Blackwatch Tartan als Regimentstartan abgelöst.

Der große Kilt – the great kilt

Der moderne Kilt ist der Nachfahre des feileadh mòr, des Great Kilt. Der rechteckige Stoff mit Tartanmuster wurde von Hand gefaltet, über die Schulter gewickelt und bei jedem Tragen neu mit einem schweren Ledergürtel befestigt. Der Great Kilt war ein vielseitiges Kleidungsstück, das ideal zum Leben in den Highlands passte. Dank seiner Länge und des Wollmaterials diente er gleichzeitig als Decke, Umhang und Regenschutz – perfekt, um im Freien zu schlafen oder durch die raue schottische Landschaft zu reisen.

Tartans und die Clans

Ein schottischer Clan war historisch gesehen eine soziale Gemeinschaft, besonders in den Highlands. Mitglieder eines Clans teilten einen gemeinsamen Ahnherrn, trugen meist denselben Nachnamen und waren durch Treue, Landbesitz und einen Clan Chief verbunden. Die Geschichte der schottischen Clans lässt sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Ursprünglich handelte es sich um Großfamilien, die zusammen lebten und arbeiteten und sich gegenseitig unterstützten und schützten. Das erzeugte ein starkes Gefühl von Identität, Zugehörigkeit und Loyalität. Obwohl als Familie verstanden, lebten auch Schutzsuchende, Bedienstete und verbündete Untergruppen ohne direkte Blutsverwandtschaft im Clan. Der Name stammt vom gälischen Wort clann und bedeutet „Nachkommen“.

Schottische Clans existieren auch heute noch, ihre politische und soziale Funktion hat sich jedoch verändert. Das historische System der Stammesgebiete und privater Armeen endete im 18. Jahrhundert nach dem Jakobitenaufstand von 1745. Heute leben sie als weltweite Familienverbände und kulturelle Gemeinschaften fort. Viele Familiennamen wie MacDonald, Campbell, Fraser, Gordon oder Stewart sind weltweit bekannt.

Tartans aus Regionen und Landschaften

Nicht jeder Tartan gehört zu einem Clan. Es gibt ebenso District Tartans für Regionen, University Tartans für Hochschulen und Regimentstartans sowie solche, die eigens für besondere Jubiläen oder Organisationen entworfen wurden.

District Tartans erinnern an die Farben einer Region – von den violetten Heideflächen über grüne Täler bis hin zu den grauen Felsen und dem tiefen Blau der schottischen Lochs und Lochans (Seen und kleine Seen) oder dem Gelb des Stechginsters. Zwei Beispiele:

Isle of Skye: Ein sehr beliebtes, in gedeckten Naturtönen gehaltenes Muster, das von den Farben der schottischen Insel Skye inspiriert ist. Der Tartan wurde 1992 von einer Australierin entworfen und registriert. Ihre Vorfahren stammen von der Isle of Skye, und auch sie lebt heute dort. Die Farben des Tartans spiegeln die Farben der Insel wider, die oft als „Misty Isle“ (neblige Insel) bezeichnet wird.

Lennox: Eines der historisch am frühesten dokumentierten District-Karos aus einer Region im westlichen Mittelschottland (16. Jahrhundert). Er gilt sowohl als Clan- als auch als District Tartan. Der Name leitet sich von der Region Lennox ab, die in früheren Zeiten das Tal des Flusses Leven, Loch Lomond sowie das heutige Dunbartonshire und zudem Teile von Stirlingshire, Renfrewshire und Perthshire umfasste. Lord Darnley, der Ehemann von Maria Stuart, Königin von Schottland, trug den Titel „Earl of Lennox“.

Der Lennox-Tartan gilt als regionaler Tartan. Regionale Tartans eignen sich zum Beispiel für Personen, die ihre Verbundenheit mit einer Landschaft oder ihrer schottischen Herkunft ausdrücken möchten, ohne einem bestimmten Clan anzugehören.

Regiments-Tartans

Eine weitere bedeutende Gruppe bilden die Tartans der schottischen Regimenter. Viele berühmte Militäreinheiten entwickelten im Laufe ihrer Geschichte eigene Karomuster, die bis heute mit Stolz getragen werden. Zu den bekanntesten zählen unter anderem:

  • Black Watch – dieser Tartan gehört heute zu den weltweit beliebtesten und wird längst nicht mehr ausschließlich militärisch verwendet. Mehr zur Geschichte des Regiments beim Black Watch Museum.
  • Royal Stewart – wurde oft als Ehrenmuster für Dudelsackspieler (Pipers) bestimmter Regimenter wie The Royal Scots vergeben.
  • Gordon – das traditionelle Muster des 92. Gordon-Regiments (Gordon Highlanders).
  • Sutherland Highlanders – eine Variante des Black-Watch-Musters, das von den Argyll and Sutherland Highlanders getragen wurde und heute vom Royal Regiment of Scotland genutzt wird.

Und viele mehr. Diese Regiments-Tartans verbinden schottische Tradition mit militärischer Geschichte und werden häufig auch in moderner Kleidung eingesetzt.

University Tartans

University of Edinburgh Tartan: Die 1583 gegründete Universität Edinburgh gab erst 2007 ihren eigenen Tartan in Auftrag. Er wurde vom Designer Gordon Nicolson entworfen. Dabei kommen blaue, rote, weiße und schwarze Fäden zum Einsatz, die dem Wappenlogo der Universität nachempfunden sind. Es handelt sich um geschütztes Firmeneigentum, das für Kilts, Schals und Decken verwendet wird. Der Tartan ist ein Symbol für die Verbundenheit mit der Universität, stellt jedoch keine exklusive Amtstracht dar, deren Verwendung gesetzlich geregelt ist.

University of St. Andrews: Das Tartan-Design der Universität St. Andrews basiert auf zwei charakteristischen Mustern: zum einen auf dem Tartan des Kennedy-Clans (Bischof James Kennedy gründete 1450 das St Salvator's College) und zum anderen auf dem des Earl of St. Andrews. Die Farben stehen für die Golfplätze (Grün), den Sand der Strände (Gold) und das Meer (Blau). Der Tartan wurde von Kinloch Anderson, einem führenden Anbieter traditioneller schottischer Trachten, entworfen. Das Design stammt aus dem Jahr 2004 und wurde von der Absolventin Deirdre Kinloch Anderson OBE (MA 1961) entwickelt, die als Direktorin in dem Unternehmen tätig ist.

Burns-Check

Robert Burns wurde am 25. Januar 1759 in Alloway geboren und starb im jungen Alter von 37 Jahren im Burns House in der Irish Street in Dumfries. Baron Marchand von der Firma George Harrison & Co. aus Edinburgh hielt es für angemessen, dass einer der bedeutendsten Nationaldichter Schottlands sein eigenes Karomuster erhalten sollte. Das Design enthält das schwarz-weiße „Shepherd Check“-Muster, das an die bäuerliche Kultur erinnert; ein überlagerndes „Hodden Grey“-Muster verweist auf die berühmte Zeile aus seinem Gedicht „A man's a man for a' that“, und zwei zartgrüne Linien, die sich durch das überlagerte Muster ziehen, symbolisieren die Felder und Wiesen, auf denen die meisten seiner Gedanken entstanden sind. Das Karomuster wurde erstmals 1959, im Jahr seines 200. Geburtstags, hergestellt.

Darf jeder einen Tartan tragen?

Heutzutage kann jeder die meisten Tartanmuster tragen, ohne in Schottland geboren zu sein. Auch wenn einige Tartanmuster mit bestimmten Familien oder Clans in Verbindung gebracht werden, wird das Tragen dieser Muster eher als Zeichen der Wertschätzung denn als Zugehörigkeit gesehen.

Nur wenige sogenannte Restricted Tartans dürfen ausschließlich mit Zustimmung des Clan Chiefs oder einer bestimmten Organisation verwendet werden. Manche Karomuster sind an exklusive Organisationen, militärische Einheiten oder Firmen gebunden. Diese trägt man in der Regel nur, wenn man dort auch Mitglied ist oder eine offizielle Erlaubnis hat. Einige wenige Muster wie zum Beispiel der Balmoral Tartan sind exklusiv der britischen Königsfamilie vorbehalten.

Wer keine familiären Wurzeln in Schottland hat, entscheidet sich häufig für universelle Tartans wie Black Watch, Caledonia oder Isle of Skye – oder wählt einfach ein Muster, dessen Farben besonders gefallen.

Ancient, Antique, Modern, Weathered, Hunting und Dress – was bedeuten diese Bezeichnungen?

Einige Tartans existieren in mehreren Farbvarianten. Das eigentliche Karomuster bleibt dabei identisch.

Ancient: Diese Farbpalette simuliert das Aussehen von pflanzlichen und tierischen Naturfarbstoffen, wie sie vor der Erfindung chemischer Farben im 19. Jahrhundert genutzt wurden. Dadurch entstanden die für „Ancient Tartans“ typischen sanfteren Farben – moosgrün und himmelblau sowie ein eher orangefarbenes Rot. Ein schönes Beispiel ist der Bruce of Kinnaird Ancient Tartan.

Modern: Hier herrschen kräftige und satte Farben vor. Diese Variante entstand mit modernen Färbemethoden und wird heute am häufigsten verwendet. Aus den sanften Grün- und Blautönen wurden Flaschengrün und Marineblau, die Rottöne sind Scharlachrot. Ein schönes Beispiel ist der Galbraith Modern Tartan.

Antique: Eine spezielle Farbpalette, die von bestimmten traditionellen Webereien eingeführt wurde. Sie liegt farblich zwischen Ancient und Modern. Die Farben sind leicht gedämpft und haben eine elegante, historische Ausstrahlung. Ein schönes Beispiel ist der Bruce of Kinnaird Antique Tartan.

Weder „Ancient“ noch „Antique“ bedeutet, dass das Muster aus einer bestimmten Zeitspanne stammt – beide Begriffe beschreiben nur den Stil der Farbgebung.

Weathered simuliert einen Stoff, der lange Sonne, Wind und Regen ausgesetzt war. Es herrschen wunderschöne verblasste Töne vor: Olivgrün und Brauntöne, sehr helle Blau- und Grautöne sowie Rottöne, die eher rosa als rot sind. Weathered Tartans werden von manchen Webereien auch als „Muted“ bezeichnet. Ein schönes Beispiel ist der MacLean of Duart Weathered.

Hunting Tartans finden sich meist in Grün-, Braun- und teils Blautönen. Diese Farben eignen sich für die Jagd und den Aufenthalt in der Natur. Einige Clans verfügen nicht über diese Variante, da ihre Tartans ohnehin überwiegend grün oder braun sind und sich dadurch perfekt in die Farben der Natur einfügen. Heute stehen Hunting Tartans für einen dezenten, klassischen Look. Ein schönes Beispiel ist der Chisholm Hunting Modern Tartan.

Dress Tartans enthalten häufig helle Flächen in Weiß oder Creme, um ihnen ein ausgefalleneres Aussehen zu verleihen. Sie wurden traditionell zu festlichen Anlässen oder von Damen getragen und wirken besonders elegant. Ein schönes Beispiel ist der Stewart Blue Dress Tartan. Gelegentlich wird gelbes anstelle von weißem Garn verwendet, ein schönes Beispiel dafür ist der ausgefallene Dress Tartan MacLeod Dress Modern.

Es gibt für jeden Typ den passenden Tartan: den markanten und ausdrucksstarken „Stewart Royal“, den stilvollen „Bannockbane Grey“, den coolen „Stewart Black Modern“, den klassisch eleganten „Black Watch“, den freundlich hellen „Musselburgh“, den lebendigen „MacLeod Dress Modern“ oder den verspielten „Bruce of Kinnaird Ancient“, um nur einige zu nennen.

Tartans erobern die Modewelt

Vivienne Westwood machte den Tartan in den 1970er- und bis in die 1980er-Jahre hinein zum Symbol für Rebellion und Individualität. Die Verbindung des schottischen Klassikers mit provokanten Bondage-Elementen ihrer Hosen und Anzüge schuf eine avantgardistische Form der Mode. Malcolm McLaren und die Sex Pistols trugen ihre Entwürfe mit unverwechselbarer Coolness und prägten das Bild des Punks nachhaltig.

Der Bruce of Kinnaird Tartan ist eines der ikonischsten Schottenkaros. Vivienne Westwood nutzte den Tartan erstmals in ihrer Kollektion „Time Machine“ (Herbst/Winter 1988/89) – ein Sprung durch die Jahrhunderte, mit dem unterschiedliche Epochen in die moderne Garderobe integriert wurden. Für ihren österreichischen Ehemann entwarf sie später den Westwood-MacAndreas-Tartan. Das Model Kate Moss führte 1993 ein legendäres Tartan-Brautkleid aus diesem Stoff für die Kollektion „Anglomania“ vor. Das Label Vivienne Westwood verwendet auch heute noch gerne Tartans und kombiniert damit britische Tradition mit Punk-Attitüde.

Der Modeschöpfer Alexander McQueen nutzte sein schottisches Erbe, insbesondere den offiziellen Tartan des MacQueen-Clans (in Rot, Schwarz und Gelb), um Themen wie historische Unterdrückung, Gewalt und kulturelle Identität auszudrücken. Die Kollektion „Highland Rape“ (Herbst/Winter 1995) verhalf McQueen zu weltweiter Bekanntheit: Er zelebrierte keine gemütlichen, romantisierten schottischen Klischees, sondern ließ die Models in zerrissenen, aufgeschlitzten Tartan-Outfits über den Laufsteg schreiten – als Symbol für die historische, brutale Vertreibung aus den schottischen Highlands durch englische Truppen. Die Kollektion löste bei ihrer Präsentation erhebliche Kontroversen aus.

McQueens Kollektion „The Widows of Culloden“ (Herbst/Winter 2006/07) war den Witwen der Schlacht von Culloden im Jahr 1746 gewidmet und verfolgte einen romantischen und zugleich traurigen Ansatz. Der Modeschöpfer setzte seinen Familientartan in Kontrast zu zarter Spitze und Tüll sowie derben Ledergürteln – Entwürfe, die historischen Schmerz mit poetischer Schönheit verschmelzen sollten. Auch nach dem Tod des Gründers bleibt Tartan ein zentrales Gestaltungselement des Modehauses Alexander McQueen.

Das klassische Tartanmuster ist aus der Mode nicht mehr wegzudenken. Heute finden sich Schottenkaros auf Laufstegen genauso wie in der Alltagsmode: auf Blazern, Kleidern, Röcken, Mänteln, Hosen, Schals, Taschen, Sneakern oder Highheels. Beispielhaft genannt seien:

  • Burberry – neben dem klassischen Burberry Check erscheinen regelmäßig Tartan-inspirierte Stoffe in maßgefertigten Mänteln, Schals und Ready-to-wear-Kollektionen.
  • Dior – die von Maria Grazia Chiuri entworfene Dior-Cruise-2025-Kollektion wurde in den historischen Gärten von Drummond Castle in Perthshire, Schottland, präsentiert und würdigte schottische Tradition sowie die Zusammenarbeit mit lokalen Handwerksbetrieben.
  • Chanel – besonders in Herbst/Winterkollektionen finden sich regelmäßig von schottischen Tartans oder Tweeds inspirierte Stoffe. Die Kollektion „Chanel Métiers d'Art 2012/13 – Paris-Édimbourg“ unter Karl Lagerfeld war eine Hommage an Schottland und verband französische Haute Couture mit schottischer Romantik.
  • Auch internationale Modehäuser wie Comme des Garçons, Dries Van Noten, Ralph Lauren oder Engineered Garments greifen immer wieder auf Tartan zurück und interpretieren ihn neu.

Sie möchten selbst ein Stück dieser Geschichte tragen? In unserer Tartan-Kollektion finden Sie original schottische Tartans als Kilts, Schals, Stolen und Wolldecken.

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